Vortrag von Herr Wolfgang Biederstedt
Christian Leipert – Anhörung Ökologie und Wachstum“ (Deutscher Bundestag.,Bonn 1989)
• „ Wie die Konzerne den BIO-Gedanken missbrauchen“, (DER SPIEGEL v. 3.11.14)
• „Wie wird die Stadt satt“ (FechnerMedia 2013)
• „Weniger ist mehr – Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben“ (ZDF 2013)
• „Das Anthropozän-Projekt“ (HKW Berlin 2013/14)
• „Die Freiheit der anderen“ (FAZ v. 18.9.14)
• „In der Datenwolke wird es heiß“ (FAZ v.8.9.14)
• „Interview mit Jeremy Rifkin“ (DIE ZEIT v. 4.12.14)
• „Die hängenden Gärten von Kreuzberg“ (DIE ZEIT v. 11.12.14)
• „Raus in die Stadt“ (enorm 2/2014)
• „Die Zukunft der Stadt“(LZ-Magazin v. 10/11.1.14)
• „Intern. Symposium zum 75. Geb. von Prof. Hartmut Graßl/Klimaforscher in Hamburg, März 2015“
GLIEDERUNG
o Wie Wachstum und Wohlstand entstanden
o Was treibt unser Wachstum ständig an und was sind die Folgen?
o Herausforderungen unseres Jahrhunderts – und warum die Gegenmaßnahmen dazu bisher so erfolglos waren.
Was ist zu tun und was ist derzeit schon im Umbruch?
+++ Unsere Öko-Systeme und Rohstoff-Vorräte vor den Folgen des Wachstums retten
+++ durch „Die Organisation des Rückzugs“
+++ durch „ eine neue Verantwortungsethik“ und ein
Umdenken von der “Umwelt“ zur „Mitwelt“
+++ durch die Einführung der „Kreislaufwirtschaft“
+++ durch ein Umdenken vom „Gegenstand“ zum „Handelnden Menschen“
+++ durch Ausschalten der „strukturellen Wachstumstreiber“,
+++ „Ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen“
Ausblick
WIE WACHSTUM UND WOHLSTAND ENTSTANDEN
Die Geschichte des Wachstums und Wohlstands begann mit der
ersten industriellen Revolution zwischen 1750 und 1830 durch die Erfindung der Dampfmaschine, des mechanischen Webstuhls und der Eisenbahn, …..sie ging weiter mit einer
zweiten Umwälzung zwischen 1870 und 1900 durch Elektrizität und Verbrennungsmotor und Chemie, …..und sie fand ihren vorläufigen Abschluss mit der
dritten industriellen Revolution seit 1960 rund um den Computer: ….. parallel entwickelte sich systembedingt Globalisierung.
Mit diesen geschichtlichen Entwicklungen gingen einher auch
Veränderungen der Begriffe „W a c h s t u m “, „K o n s u m i e r e n“ und „W o h l s t a n d“:
„W a c h s t u m “ als wert- und mengenmäßige Zunahme bedeutete bis in die jüngste Vergangenheit der Erdgeschichte
eine größere Vielfalt in der Natur und
das Entstehen komplexerer, widerstandsfähigerer Ökosysteme.
Mit dem Aufkommen der Industrie haben sich diese Begriffe gewandelt,
mit dem Begriff „W a c h s t u m “ wird bis heute in Verbindung gebracht:
Erweiterung der Produktions- u. Handelsverfahren, der Energiesysteme, der Transportwege u. Logistik-einrichtungen, Lagerkapazitäten und der Informations-systeme – erst überregional, dann national, und letztendlich global
Rationalisierungen alter Produkte, Steigerung der Arbeitsproduktivität sowie Erfindungen neuer Produkte
Schaffung neuer Arbeitsplätze , und damit wuchs bisher die Zahl der Verbraucherinnen und Verbraucher und für diese erweiterten sich die Möglichkeiten des K o n s u m i e r e n s
„K o n s u m i e r e n“ bedeutete früher:
etwas „ g e brauchen“, was vor Ort oder regional hergestellt wurde
„K o n s u m i e r e n“ bedeutet heute: etwas „ v e r brauchen“!, das -vielfach schon global – von anderen Menschen an anderen Orten hergestellt wurde, indem dort Rohstoffe oder- u. unterhalb der Erdoberfläche verbraucht wurden mit Schädigung der dortigen Ökosysteme Luft, Erde, Wasser und des Systems Mensch und „W o h l s t a n d “ bedeutete früher Gesundheit mit seelischem Gleichgewicht und Sich-Gutstehen mit Gott und den Mitmenschen
und „W o h l s t a n d“ bedeutet heute:
dass jemand mehr Geld als normal zur Verfügung hat bzw. dass es ihm in materieller Hinsicht an nichts mangelt, sodass er ausreichend „konsumieren“ kann = ein materieller, ein G ü t e r -Wohlstand.
Um zu wissen, wo wir für den Umbau der Wirtschaft ansetzen müssen:
WAS TREIBT UNSER WACHSTUM AN MIT WELCHEN FOLGEN:
Das in die Wirtschaft investierte K a p i t a l mit Renditezwang fordert und zwingt
…. ein ständiges Wachstum durch im weitesten Sinne
technischen Fortschritt …. darüber hinaus zu einem ständigen, dynamischen Wachstum im Sinne von „Wachsen oder Weichen“. und (mal so nebenbei z.B.) das Wachstum wird auch gefördert, indem der Verschleiß durch die Hersteller beschleunigt wird und Geräte nicht mehr repariert werden können und was geht einher mit dieser Art von Wachstum?:
1. ein ständig zunehmender Energieverbrauch mit immensem CO2 – Ausstoß und Überlastung und Schädigung unserer Ökosysteme Luft, Wasser, Erde
2. Die Plünderung unserer endlichen Rohstoffvorräte der Erde
3. Das Wegrationalisieren von Menschen im Arbeitsprozess,
4. Die gigantischen Infrastrukturen, die mittlerweile nicht mehr
ordnungsgemäß unterhalten werden können.
Dazu kommen
• Die P o l i t i s c h e n Vorgaben als Wachstumstreiber
Die Messgröße „Bruttoinlandsprodukt“
Für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften gibt es eine Messgröße, das Bruttoinlandsprodukt (Abkürzung: BIP); dies gibt den Geldwert aller Waren und Dienstleistungen und sonstiger Aktivitäten an, die innerhalb eines Jahres einen Geldwert hatten. Diese Messgröße sagt jedoch nichts aus über deren Sinnhaftigkeit, d.h. inwieweit sie dem Wohl der Menschen dienen
Subventionen und Regulierungen
Um das Wachstum anzukurbeln oder laufend auf Höchststand zu halten, sind z.B. 2008 an Subventionen allein für das Wachstum mit klimaschädlichen Produktionen über 65 Mrd.€ ausgegeben worden.
• Die V e r b r a u c h e r mit ihrem persönlichen Verhalten als Wachstumstreiber:
Bequemlichkeitsfortschritte im persönlichen Umfeld mit Hilfe von sog. „Energiesklaven“(z.B. Autos, Haushalts- u. Gartengeräte), unsere Fixierung/Gier auf Neuheiten und Abwechslung
Alle diese genannten Wachstumstreiber gehen mit einer weiteren Erderwärmung durch entspr. CO2-Ausstoß einher. Das geht zu Lasten a l l e r nachfolgenden Generationen!!!
o WAS IST ZU TUN UND WAS IST DERZEIT SCHON IM UMBRUCH?
Unsere vorrangige Aufgabe: Unsere Ökosysteme Klima, Ozeane, Böden, Tierwelt und unsere Rohstoffvorräte vor den Folgen des Wachstums retten!!! Also: Wir Menschen müssen uns wandeln und anders handeln als bisher: IN UNSEREN KÖPFEN MUSS SICH ETWAS ÄNDERN!
Im Detail:
+ Als Erstes zum Umdenken: Wir brauchen eine neue Verantwortungsethik für unser Handeln, eine, die auf die gesamte Menschheit gerichtet ist. Alles was wir hier tun, darf global keine Nachteile für die Ökosysteme und Rohstoffvorräte anderer Menschen an anderen Orten haben!
+ Als Zweites zum Umdenken: „Von der Umwelt zur Mitwelt“ – es ist unser Bewusstsein, dass die ökologischen Probleme geschaffen hat. Bisher hat die Industriegesellschaft die ganze U m -Welt nur aus der Sicht der Menschen als menschlichen Lebensraum betrachtet. Aber: Die gesamte übrige Welt der Schöpfung ist nicht unsere U m welt sondern unsere M i t welt, wir müssen also die gesamte übrige Welt als unsere natürliche M i t welt ansehen und auch so behandeln, dadurch fällt dem Menschen die besondere Verantwortung zu, das Ganze der Natur zu bewahren und darauf Rücksicht zu nehmen.
Als Drittes zum Umdenken: Vom „Gegenstand“ zum „Handelnden Menschen„ = Nicht mehr ausschießlich den Gegenstand betrachten, sondern den Blick wechseln zum handelnden Menschen: Was verbirgt sich dahinter?- z.B. die Frage: Ist ein 3Liter-Verbrauch-Auto generell klimafreundlicher als ein 15 Liter schluckender Oldtimer? Auch dann, wenn der Besitzer des 3 l-Autos pro Tag hinundzurück 200km zum Arbeitsplatz pendelt, während der Oldtimer-Besitzer, ansonsten Bahncard-Besitzer, damit nur 5x im Jahr ein regionales Oldtimertreffen ansteuert? Eine andere Fragestellung gilt für die Ökostrom nutzenden Haushalte, die mit diesem ein umfangreiches Heer von sog. Energiesklaven wie elektrische Haus-, Küchen und Gartengeräte sowie Flachbildschirme und Computer speisen – das ist ein Konsum mit vermeintlich ökologisch weißer Weste!.
Nicht Technologien und Gegenstände/Objekte sind nachhaltig, nur allein Lebensstile können nachhaltig sein. Als Viertes zum Umdenken: Die Einführung der werterhaltenden Kreislaufwirtschaft
Hierzu gehört das Thema „Cradle To Cradle“ (Von der Wiege zur Wiege) = dass alles, was wir Menschen produzieren, wieder in einer Kreislaufwirtschaft, in den „Von-der-Wiege-in-die Wiege“-Zyklus zurückkehrt – ganz im Gegensatz zum jetzigen Verhalten der Menschen „von der Wiege in die Bahre“: Dazu gehört die „Abfallwirtschaft“: Alles landet als Abfall/Müll auf der Deponie oder wird verbrannt, und alle darin enthaltenen Wertstoffe sind endgültig verloren. Zukünftig müssen wir den Müll gleich vermeiden.
Beispielhaft für dieses Thema handeln z.B. die Ameisen: Zusammen-genommen haben alle Ameisen auf unserem Planeten etwa die vierfache Biomasse aller Menschen, ohne dass die Ameisenpopulationen wegen nicht mehr ausreichender Ernährungsmöglichkeiten zu Grunde gegangen sind. Alles , was die Ameisen produzieren und benutzen, ist ökologisch abbaubar.
Ein Beispiel für Cradle To Cradle in der industriellen Wirtschaft: In den USA gibt es bereits Teppichfabriken, die ökologisch saubere Teppichböden (ohne schädliche Substanzen!) nicht zum Kauf, sondern zur Nutzung gegen Entgelt abgeben. Die Teppichfabrik bleibt also Eigentümerin, sie wird am Ende der Nutzung alles wieder zurücknehmen und 100% recyceln und wiederverwenden – nichts geht verloren! – und es ist jetzt schon wirtschaftlich! Dieses Geschäft läuft so gut, dass sogar alte Teppichware aus den USA zum Recyceln zur einzigen Anlage in Europa nach Brandenburg geschickt wird.
Und noch ein Beispiel aus den USA: Bücher, deren Seiten nicht aus dem üblichen Papier sondern aus Kunststofffolie und Füllstoffen bestehen. Dieses Produkt, das sich nach Gebrauch wieder leicht in seine Substanzen aufspalten lässt, kann in industriellen Prozessen grenzenlos wiederverwendet werden.
+ Als Fünftes zum Umdenken: Nutzen statt besitzen – denn die Ära der leicht verfügbaren Rohstoffe neigt sich dem Ende zu. In einer nachhaltig lebenden Gesellschaft müssen und werden sich die Produzenten darauf umstellen, ein Produkt nicht nur herzustellen, sondern einen bestimmten Nutzen bereitzustellen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass wir ein Produkt eigentlich nicht erwerben, um es zu b e s i t z e n , sondern um es zu b e n u t z e n . Für diesen Nutzen zahlen wir zukünftig eine Nutzungsgebühr, das Produkt bleibt Eigentum des Herstellers und er ist damit auch für die Rücknahme zuständig..
Der Hersteller hat somit ein Interesse daran, dass sein Produkt langlebig ist und das Produkt so gestaltet ist, dass alles weitestgehend recycelbar ist, um die teuren Rohstoffe wiederzuverwenden, eine werterhaltende Kreislaufwirtschaft.-
+++ DIE „STRUKTURELLEN WACHSTUMSTREIBER“ AUSSCHALTEN
indem die Nachfrage verringert, die industrielle Produktion verändert und politische Rahmen -Bedingungen festgesetzt werden für diese Nach-Wachstums-Wirtschaft(“Postwachstumsökonomie“)
1. Eine „Gemeinwohl-Wirtschaft der Nähe“ statt Welt-Wirtschaft ist eine Wirtschaftsform, die vorrangig die lokale Gemeinschaft nachhaltig bedient. Weg von den sehr komplexen Produktionsketten u.-strukturen und der Fernversorgung und hin zur regionalen oder lokalen Versorgung
++Ein Hilfsmittel, die Nah-Wirtschaft zu unterstützen, sind Regional-Währungen wie der älteste und bekannteste, der „Chiemgauer“, insgesamt gibt es bereits über 30 solcher Regios. Damit soll das Geld im regionalen Kreislauf bleiben und die regionale Wirtschaft fördern.
++Dem gleichen Ziel dient die Gründung von Genossenschaften und Kooperativen, die sich nicht wie die Aktiengesellschaften an maximaler Rendite, sondern an der unmittelbaren Bedürfnisbefriedung orientieren. Dazu gehören auch die Genossenschaftsbanken, bei denen die VerbraucherInnen ihre Ersparnisse anlegen. Diese wiederum vergeben Kredite mit niedrigeren Risikozinsen an bekannte regionale Firmen,
++Zur Gemeinwohl-Wirtschaft/Ökonomie der Nähe gehört auch die bessere Nutzung von Gegenständen, die Shareconomy = Teilen von Dingen und Dienstleistungen durch Gemeinschaftsnutzung: In Betracht kommen Waschmaschinen, Gärten, Winkelschleifer, Kettensägen usw., sie können gemeinsam angeschafft werden oder sich im privaten Eigentum befinden, dann aber von anderen mitgenutzt werden,
++Lebensmittel-Eigenproduktion: Konventionelle Produktionen im Agrar- bzw. Lebensmittelsektor rufen ökologische Schädigungen hervor, sodass die Nachfrage nach „gesunden BIO-Lebensmitteln aus der Region“ z.Zt. regional nicht mehr befriedigt werden kann So kommt es zu einem sehr dynamischer Trend hin zu Gemeinschaftsgärten in der Stadt, bekannt als „Urban Gardening“, bei dem innerstädtische Brachen (z.B. Ex-Flugplatz Berlin-Tempelhof) bepflanzt werden, Ferner gibt es Treibhäuser auf Flachdächern von Supermärkten und Bürohäusern z.B. in New York auf dem 9.000m2-Dach einer Lagerhalle wird Gemüse und Salat produziert, die dem Jahresbedarf von 5.000 Menschen entsprechen
++Wiederentdeckung der Gemeinschaft: daraus ergeben sich Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Tauschringe allgemeiner Art und Leistungstausch auf lokaler Ebene in Form von Dienstleistungen jedweder Art(Unterricht, Schulungen, Beratungen, Pflegeleistungen, kreative Wiederverwertung ausrangierter Gegenstände, Reparaturen defekter Geräte usw.)
Weitere Beispiele hierzu:
Ithaka, 29.000 Einwohner, ein Städtchen nördlich von NewYork, arbeitet seit 30 Jahren erfolgreich mit seiner lokalen Währung und Bevorzugung lokaler Produkte, es hat eine Lebensmittel-Kooperative mit 8500 Mitgliedern, fast ein Drittel der Einwohner, davon arbeiten 300 Mitarbeiter/Innen in einem Supermarkt gegen die großen, marktbeherrschenden Lebensmittelkonzerne an – und die Kooperative kann noch 15%Rabatt für Sozialbedürftigegeben. Dazu gehört eine Genossenschaftsbank; jeder , der dort ein Konto hat, ist Mitglied, er hat Anteilsscheine, ist Mitinhaber der Bank und hat Mitsprache, wenn Kredite an örtliche Unternehmer vergeben werden
In NewYork gibt es einen genossenschaftlicher Bio-Supermarkt mit 16.000 Mitgliedern und ehrenamtlichen Teilzeitkräften, die allesamt berufstätig sind, deren Arbeitseinsatz für 3 Stunden alle 4 Wochen es zu organisieren gilt. Dadurch liegen sie 15 % unterm üblichen Supermarkt-Preisniveau und erlauben so allen Schichten den Zugang zu BIO-Produkten
In Berlin hatte 2012 der erste Supermarkt ohne Verpackung eröffnet und das funktioniert.
In Dresden haben zwei Wissenschaftler eine Firma Cloud & Heat gegründet, die die Abwärme der riesigen Cloud-Datenserver nutzt. Die über Wärmetauscher gewonnene Energie wird zum Heizen der Gebäude und für den Warmwasserkreislauf genutzt. Bisher mussten solche Server in Feuerschutz- und Sicherheitsschränken untergebracht werden, die mit immensem Aufwand gekühlt werden. Die Firma vertreibt und wartet nun solche Kombi-Abwärme-Stahlschränke, die aufwändigen und teuren Kühlsysteme entfallen, das spart nicht nur Energie und somit CO2-Ausstoß sondern auch Geld. Für den Server-Betrieb selbst wird Ökostrom eingekauft.
WECHSEL ZUR NACHHALTIGEN STADT:
Städte sind derzeit ökologische Monster mit immensen Verkehrslawinen, Abwasserströmen und Müllbergen und einem gigantischen Verbrauch von Energie mit einem gewaltigen CO2-Schadstoffausstoß, Bis 2050 erwartet man, dass sogar 80% der 9 Mrd. Bevölkerung in städtischen Ballungsstrukturen wohnen.—das erfordert einen grundsätzlichen Strukturwandel hin zu ECOCITIES = die nachhaltige Stadt: ausschließliche Nutzung der Erneuerbarer Energien, weiterte Reduzierung des Autoverkehrs mit seinem Schadstoffausstoß durch Rückeroberung des öffentlichen Raums —
Beispiel für STÄDTISCHES ÖKOLOGISCHES BAUEN in Niedrig Energiebauweise mit 50-80% Energieeinsparung und autarker Energieerzeugung: der 310 Meter hohe Bürowolkenkratzer Pearl River Tower in der Provinz Kanton/China mit 75 Stockwerken. Er besitzt eine intern belüftete 3fach verglaste Fassade, eine in die Fassade integrierte Fotovoltaik-Anlage, große Öffnungen an den Außenwänden für Windturbinen mit vertikaler Achse, Wiederverwendung von intern zirkulierender Energie und das Schmutzwasser wird durch Ultrafiltrationsanlagen wieder zu Trinkwasser.
Beispiele für STÄDTISCHER LEBENSMITTELANBAU(„Indoor- Farming“)
++Die emissionsneutrale Beispiel-Produktion von frischem Gemüse und Obst in Hochhäusern und ehemaligen Lagerhallen: Die Pflanzen wachsen wetterunabhängig in Hydrokulturen mit einer optimal gesteuerten Nährstoff- und minimaler Wasserzufuhr und optimierter LED-Beleuchtung , sie ergeben mehrfache Ernten im Jahr, benötigen keine Pestizide und Herbizide
++Der Tomatenfisch in Berlin – mit optimaler Ressourceneffizienz: Das Wasser mit den Stoffwechselprodukten der Fische dient zugleich zur Bewässerung der Tomatenpflanzen, deren entstehender Wasserdampf durch die Verdunstung der Pflanzen wird gekühlt und wieder ins Fischbecken geführt. Das CO2, das die Fische ausstoßen, wird von den Pflanzen aufgenommen und in Sauerstoff umgewandelt
++3 Beispiele aus unserer Hamburger Nähe für die CO2-Reduzierung
Container- Terminal Altenwerder: Energieeinsparung durch Totale Automation, indem die Computer-gesteuerten Schwerlaster , ausgestattet mit riesigen Akkus, automatisch zum Aufladen geschickt werden, wenn im Netz Ökostrom-Spitzen von Wind- u. Solaranlagen auftreten; auch der Wechsel der riesigen Akkus erfolgt automatisch über eine Art Aufzug zum Fahrzeug. Damit werden 30% CO2 -Emissionen eingespart. Die derzeit 7 großen Rotoren im Hamburger Hafengelände für die Stromerzeugung werden auf 14 Stück erweitert werden.
Das 33.000m2 -Greenpaece-Haus in Hamburg wurde errichtet mit bester Dämmung und Baustoffen, die nach einem Abriss des Hauses wieder-verwendet werden können, es wird über Erd-Energiepumpen geheizt und gekühlt je nach Bedarf. Der Strom wird über Fotovoltaik und Senkrecht-Flüster-Windräder auf dem Dach erzeugt
In Wilhelmsburg ist in einen alter Flakbunker aus dem 2. Weltkrieg ein 200m3- Pufferspeicher für warmes Wasser eingebaut worden, der aus der Solaranlage auf dem Bunker und von einem Blockheizkraftwerk im Bunker gespeist wird; Das Blockkraftheizwerk erhält Methangas aus dem umliegenden Klärwerk. Dieses System versorgt 3000 Haushalte mit Wärme. (Café auf dem Dach!)
..UNTERNEHMEN MÜSSEN SICH WIE FOLGT VERÄNDERN:
Die wichtigste Sparte wird diejenige sein, die auf Erhalt, Um- und Aufwertung vorhandener Produkte gerichtet ist Der letztendlich dann verbleibende Rest des industriellen Systems wäre so umzugestalten, dass nur noch langlebige, reparable, umbaufähige und wiederverwendbare Produkte neu gefertigt werden, die so gestaltet sind, dass die einzelnen Bauteile später auch wieder an neue Bedürfnisse oder Moderichtungen angepasst werden können, so werden sie möglichst lange im Kreislauf verbleiben.
Allerorten zerlegen Firmen bereits Produkte in Module und setzen sie anschließend wie LEGO-Baukastenteile zu sinnvollen Funktionseinheiten zusammen. Das hat einerseits das Wachstum der Vielfalt gesenkt und andererseits hat das wieder Vorteile für das eigene Unternehmen und für Repair-Cafés, sodass defekte Baukastenteile durch solche Module ersetzt werden können.
++Beispiel Schuhe: Es gibt Sportschuhe mit einer aus kompostierbarem Material bestehenden Sohle, die nach Gebrauch abgelöst werden kann. Der Rest des Schuhs aus Kunststoff und Polymeren kann wieder recycelt werden.
++Es ist in diesem Sinne abzusehen, wann die Autohersteller darauf drängen, dass die Kunden ihre alten Autos zurückgeben, damit die wertvollen „industriellen Nährstoffe“ wiedergewonnen werden können.—das würde die Hersteller veranlassen, die Autos so zu gestalten, dass sie zerlegt werden können
Zu diesem ressourcenschonenden industriellem Kreislaufverfahren passt als ganz aktuelles Beispiel für die zukünftige PKW-Fertigung: „Weitestgehende Herstellung eines zweisitzigen Autos „Strati“ mit Hilfe des 3D-Druckers“. Produzent: Local Motors in Phönix/Arizona.
Der 3D-Drucker hat die Größe eines Schiffscontainers. Mit einer Heißluftpistole wird (Lego-Steine)-Kunststoff Schicht auf Schicht aufgetragen. Für die tragende Struktur, bestehend aus Chassi und alle Interieurteile incl. der Sitze, benötigt der Drucker 44 Std., weitere 24 Std. fallen an für das mechanische Glätten der Oberfläche. Es werden so überschüssiges Material und Abfall oder Verschnitt vermieden. ein Rohling durch spanen oder fräsen bis hin zur gewünschten Form abgetragen., Transportkosten werden minimiert, weil überall regional gefertigt werden kann, schnelle Designänderung je nach Kundenwunsch,, keine Kosten für die Werkzeuge und Werkzeugmaschinen, Nur noch 49 Einzelteile statt 5000-6000 im heute gängigen Fahrzeugbau. Nächste Stufe: nur noch 30 Einzelteile und auch die Scheiben im 3D-Drucker fertigen. Und alles recyclebar!
Bei all diesen Prozessen werden nur geringfügig neue Stoffe hinzugefügt
Ferner werden die Unternehmen
• Kurse und Schulungen anbieten, die Nutzern befähigen, Produkte instandzuhalten, zu warten und zu reparieren.
• Maßnahmen für Arbeitsmodelle, die Arbeitszeit reduzieren
• auf lokale und regionale Beschaffung von Rohstoffen/Ressourcen und Zwischenprodukten in unmittelbarer Reichweite umsteigen
• Auf Direkt- und Regionalvermarktung setzen
• Märkte schaffen für ihre gebrauchten, aufgearbeiteten und überholten Güter , auch dadurch werden ebenfalls Neuproduktion verringert
• Vom Produkt-Verkauf zum Produkt-Service wechseln: Autofirmen als „Mobilitätsdienstleister mit Paketen aus Bustickets, Zugfahrkarten, Leihautos, Ruftaxis und Care-sharing-Mitgliedschaft gegen eine monatliche fixe Gebühr, die Kunden können dann mit ihrem Mobilpass alle Fortbewegungsmittel nutzen, dadurch werden insbesondere die Kleinstädte mobiler werden, so z. B. mit einem Autohaus in Rheda-Wiedenbrück
Solche Unternehmen sind dann
• Instandhalter , sie sichern der Lebensdauer und Funktionsfähigkeit des Hardwarebestandes durch Erhalten, Wartung, vorbeugende Verschleißminderung und Beratung
• Reparaturdienstleister, sie bewahren defekte Güter davor, vorzeitig ausrangiert zu werden,
• Renovierer, sie ziehen aus vorhandenen Gütern weiteren Nutzen, indem sie diese funktional und ästhetisch an gegenwärtige Bedürfnisse anpassen
• Umgestalter, sie kombinieren Teile neu, umgestalten vorhandene Infrastrukturen, sodass ihnen daraus neue Nutzungsmöglichkeiten entspringen
• Dienstleister, sie ersetzen bisher eigentumsgebundene Konsumformen durch Services
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Diese Nach-Wachstums-Wirtschaft/Postwachstumsökonomie braucht Rahmenbedingungen durch die Politik
• es muss ein Grundrechtskatalog für das 21. Jhdt. erstellt werden und dazu eine Verfassungsgerichtsbarkeit. Damit würde eine Grundlage für die gemeinsame Teilhabe an unserer Erde gesetzt werden. Auch wären die beiden die Basis, um Raum zu schaffen für öko-bezogene Ziele und Standards
eine CO2- Besteuerung für Schädigung der Ökosysteme. Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen und der echte Emissionshandel muss wieder aktiviert werden.
Steuern von Arbeitseinkommen verschieben auf den Verbrauch von Rohstoffreserven, dadurch wird das Wirtschaftssystem gezwungen, mit diesen schonend umzugehen
Die Interessen einiger weniger einschränken zu Gunsten des Gemeinwohls aller,
Die Unternehmen verpflichten, alle Produkte mit dem CO2- Ausstoß und ökologischen Fußabdruck für den gesamten Lebenszyklus zu kennzeichnen
Wenn es nicht zu einer Neuordnung des Finanzsystems kommt, wird der Umbau nicht möglich werden. Dieses muss eine dienende Funktion für die Wirtschaft einnehmen. Bisher gehen nur 10 % des Weltgeldverkehrs auf die Realwirtschaft zurück, 90 % bestehen aus Derivaten, Futures und sonstigen Börsenwetten.
Das BIP als Maß für das Wachstum ersetzen durch eine neue Messgröße für das neue „Gute-Gewissen“ -Wachstum. Diese Messgröße ist so zu definieren, dass alle global umweltschädlichen Aspekte, die bisher nicht im kapitalistischen Wachstum berücksichtigt wurden, einbezogen werden.
Subventionen abbauen und den Subventionsdschungel durchforsten nach ökologischen Schädigungen im Bauwesen, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, 2008 wurden an diese Bereiche Subventionen über 50 Mrd.€ ausgegeben Meist sind Subventionen der verzweifelte Versuch, eine Wachstumsmaschine in Gang zu halten, die sonst nicht mehr funktionsfähig wäre.
ein Wiederverwertungsgebot festlegen eine andere Verteilungs – und Steuerpolitik: Diese sollen Arbeitszeit-verkürzungen und Arbeitszeitumverteilungen ermöglichen. Dazu könnte ein bedingungsloses, steuerfinanziertes Grundeinkommen für alle helfen, jedem zu ermöglichen, sich einen individuell gewählten Mix zu schaffen aus Erwerbsarbeit, Eigenarbeit, Familienarbeit, gesellschaftliches oder kulturelles Schaffen selbst zusammenzustellen. Es ist ein Irrglauben, dass Menschen mit einem Grundeinkommen nur noch die Füße hochlegen würden. Vielmehr würden Freiräume geschaffen, Freiräume für Kreativität und Schaffensdrang.
Im Grundeinkommen schlummert eines der größten Potenziale, unsere Gesellschaft einen Schritt nach vorne zu bringen
eine Verkürzung der Arbeitszeit . Eine allgemeine gesetzliche Arbeitszeitbeschränkung, um die Möglichkeiten der menschlichen Fähigkeiten für das Gemeinwohl und für sich selbst umfassend ausschöpfen zu können. Dann ließen sich Selbst- u. Fremdversorgung so kombinieren, dass die Abhängigkeit von einem Geld-Einkommen sinkt. Dass dies möglich ist, dazu ein Beispiel aus der Gegenwart: Eine Aktion auf der Arbeitgeberseite: das renommierte Schwäbische Unternehmen BOSCH hat bei den Führungskräften angefangen, Über 100 von ihnen konnten absolut weniger arbeiten, z.B. nur 4 Tage die Woche oder z.T. flexibel von zu Hause aus mit dementspr. 80% des Gehalts.
Und die Firma ist überzeugt, dass tut nicht nur der Firma gut sondern auch der Arbeit, die Führungskräfte haben mehr Power und mehr Ideen, und Teilzeit ist auch kein Karrierekiller mehr….Und die 20% Gehaltsminderung werden in der Familie aufgefangen, indem weniger Überflüssiges gekauft wird, was wiederum das allgemeine Wachstum bremst und die Umwelt weniger belastet.
DAS ENDERGEBNIS: DIE RÜCKKEHR ZUM MENSCHLICHEN MASS UND EIN ÖKOLOGISCHES GLÜCKSGEFÜHL, MIT SICH SELBST IM REINEN ZU SEIN. ALSO: ES GIBT KEIN NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN SONDERN NUR EIN PERSÖNLICHES NACHHALTIGES HANDELN – DIESE FÜHRT ZUR NACH-WACHSTUMS-WIRTSCHAFT (POSTWACHSTUMSÖKONOMIE):
+++ „Ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen“
Der Erziehungs- und Bildungssektor ist den Bedingungen einer Nach-Wachstums-Wirtschaft anzupassen. Kinder und Jugendliche benötigen das Rüstzeug dafür, ein verantwortungsvolles Leben innerhalb ökologischer Grenzen führen zu können.
Drei Hauptpunkte aus meiner Sicht zum Schluss:
++ Wer die Welt verbessern will, muss bei sich anfangen.
++ Jeder, der dazu in der Lage ist, hat die Pflicht sich zu informieren über die Konsequenzen seines eigenen Tuns sowie die der Gesellschaft.
++ Irgendwann haben wir sonst den Zustand erreicht, den der Kabarettist Matthias Richling im ARD- „Scheibenwischer‘ mal so beschrieben hat:
„Was heißt, wir sollen die Erde bewahren für künftige Generationen? Was sollen die denn damit? Ich hebe doch keinen vergammelten Joghurt für meine Enkel auf, wieso soll ich dann diese vergammelte Erde aufbewahren? Haben Sie sich diese mal genau angeguckt? Weg damit!“